DOMESTIC

Die Ausstellung „DOMESTIC“ zeigt die neue Werkgruppe installativ inszenierter shaped canvases von DOMINIK HALMER . Sie schließt sich an seine Ausstellung “Die absurde Schönheit des Raumes” (2020/21) in der Hamburger Kunsthalle an.

Der Künstler Dominik Halmer hat für „DOMESTIC“ ein narratives Ensemble aus neuen „Einrichtungsbildern“ (D.H.) geschaffen. Diese präsentieren sich auf den ersten Blick als abstrakte Leinwandmalereien und auf den zweiten offenbaren sie sich als schablonenartige Wiedergaben von vertrautem Mobiliar, bspw.e als Sessel, Tisch, Stuhl, Vitrine oder als Bild-Bild. Wie ein „roter (Erzähl)Faden“ tanzt völlig losgelöst eine feinlineare, reliefartig erhabene pastose Farbspur von Leinwand zu Leinwand und tönt mal in weiß, rotbraun, türkis, pink oder rot. 

Das Spiel mit den Gegensätzen ist typisch im Oeuvre Dominik Halmers. Ein illusionistischer Realismus steht abstrakt-konkreten Formulierungen gegenüber, Elemente der Pop Art und des Comic konterkarrieren Reminiszenzen an die humanistisch geprägte Kunstgeschichte der Renaissance, Blumenerde trifft auf Ölfarbe und Leinwand. So kann sich der Betrachter in Halmers Bilderwelt nie wirklich sicher sein. Wenn sich in dem räumeübergreifenden Setting mit den als optische Täuschung inszenierten Schattenwürfen auf den Ausstellungswänden die Differenzierung zwischen den klassischen Gattungen von Bild und Objekt tendenziell auflöst. 

Die Verunsicherung der Sehgewohnheiten ist vom Künstler intendiert, und bereits Künstler wie Caravaggio spieltem im 16.Jh. mit dem Tondo (=Rundbild) als physische Irritation mittels perspektivischer Verzerrungen. Die Moderne hat mit den amerikanischen Konkreten wie Frank Stella das „shaped canvas“ in die abstrakte Malerei eingeführt, um eine Kongruenz zwischen Bildinhalt und Bildform zu schaffen. Heute mündet das Prinzip in die Generierung nicht-standardisierter Bildformen in der VR hinsichtlich der totalen Auflösung aller (Be)Grenz(ung)en. Und so ist in Dominik Halmers Malerei der Stuhl zugleich Bild, das Bild zugleich Stuhl usw.. Mit dem shaped canvas wird seine Malerei zur Lebenswelt. Realität und Projektion heben sich gegenseitig auf. 


“Das Mobiliar, mit dem wir unser Heim einrichten (schafft) ein eigenes Territorium, das uns vor der Welt abschirmt. Wir machen es uns gemütlich und benützen Bilder, um uns die Welt da draußen vorzustellen, ohne mit ihr konfrontiert zu sein.”

Derart führt Dominik Halmer den Ausstellungsbesucher in eine labyrinthische Welt vermeintlich heimischer Wohnstuben und vermischt Vertrautes (Sessel, Tisch, Stuhl, Bilder) mit Abzweigungen wie Symbolen des Comic (Fäuste, Münder) oder der Wissenschaft (Mond-Gezeiten). Die Konturen von Gesichtern haben sich in die Sitz- und Lehnflächen der Sessel eingefräst wie madige Geister einstiger Gäste und temporärer Besucher. Das Fremde markiert sich im Heimeligen. Es scheint geradezu, als sei das Malen dem Künstler Dominik Halmer wie das Schreiben dem in diesem Jahr gefeierten Schriftsteller Franz Kafka, nämlich „(der) Übergang von der äußeren Betrachtung zum inneren Handeln, vom Bewußtsein zum Sein“ (vgl. Rüdiger Safranski über Kafka, 2024) Damit sind die Beschreibungen und Bebilderungen alltäglicher Objekte und Handlungen nicht etwa einfache Lebensbetrachtungen sondern Fragestellungen nach dem Verhältnis von Leben und Kunst und sprechen den Erfahrungswert eines Jeden an. D.h. der Ausstellungsbesucher belebt das ungelebte Szenario der raumgreifende Installation. Er ist darin der skulpturale Protagonist – oder sein Nutzer? 




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